BULGARIEN

Staatsname: Republik Bulgarien
Hauptstadt: Sofia
Fläche: 110 994 km²
| Verwaltungseinheiten
(Einwohner): Burgas: 846 524 (1996 geschätzt) Grad Sofija: 1 192 735 (1996 geschätzt) Chaskowo: 897 863 (1996 geschätzt) Lovec: 990 307 (1996 geschätzt) Montana: 615 629 (1996 geschätzt) Plovdiv: 1 213 966 (1996 geschätzt) Ruse: 760 029 (1996 geschätzt) Sofija: 966 502 (1996 geschätzt) Varna: 901 160 (1996 geschätzt) |
Größte
Städte (Einwohner): Sofia: 1 141 712 (1996 geschätzt) Plovdiv: 344 326 (1996 geschätzt) Varna: 301 421 (1996 geschätzt) Burgas: 199 470 (1996 geschätzt) Ruse: 168 051 (1996 geschätzt) Stara Zagora: 151 218 (1996 geschätzt) Pleven: 127 945 (1996 geschätzt) Sliven: 107 267 (1996 geschätzt) Dobrich: 104 074 (1996 geschätzt) |
Rohstoffe:
Bauxit, Kupfer, Blei, Zink, Steinkohle, Eisenerz, Holz
Bevölkerung:
Vom 5. bis zum 7. Jahrhundert wanderten slawische Völker, darunter auch
die Bulgaren, in das Gebiet des heutigen Bulgariens ein. Der größte
Teil der heutigen Bevölkerung wird von Bulgaren gestellt. Neben den Türken
als größter ethnischer Minderheit leben auch Roma, Mazedonier, Armenier
und Russen in Bulgarien. Sofia ist die Hauptstadt und größte Stadt
des Landes.
Sprache:
Die Amtssprache ist Bulgarisch. Diese slawische Sprache verwendet das kyrillische
Alphabet, das im 9. Jahrhundert von den Heiligen Kyrillos und Methodius entwickelt
wurde. Etwa die Hälfte der türkischen Landesbewohner spricht Türkisch
als Muttersprache, die meisten beherrschen jedoch auch Bulgarisch. Früher
wurde Russisch an den Schulen unterrichtet, so dass es noch von vielen Bulgaren
gesprochen wird. Heute ist aber Englisch die wichtigste Fremdsprache, gefolgt
von Deutsch und Französisch.
Religion:
Über 85 Prozent der Bulgaren gehören der orthodoxen Kirche an. 13
Prozent sind Muslime. Während des Kommunismus war jede Form der Religionsausübung
untersagt, inzwischen wurde die Religionsfreiheit verfassungsrechtlich verankert,
so dass die religiösen Feiertage wieder begangen werden können.
Währung:
Die Landeswährung ist Leva (LV)
1 Leva = 100 Stotinki
Feiertage:
Gesetzliche Feiertage sind Neujahr (1. Januar),
der Nationalfeiertag für Frieden und Unabhängigkeit (3. März),
der Tag der Arbeit (1. Mai), der Tag der bulgarischen Kultur und Wissenschaft
(24. Mai) sowie Weihnachten (25. Dezember). Am 24. Mai feiern die Bulgaren nicht
nur die wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen ihres Landes, sondern
ehren auch die beiden Heiligen Kyrillos und Methodius für die Entwicklung
des kyrillischen Alphabets. Namenstage (der Tag eines Heiligen, auf dessen Namen
jemand getauft wurde) werden mit einem Familienmahl gefeiert.
Traditionell wird am Weihnachtsabend Obst und Gemüse statt Fleisch gegessen. Dadurch soll für die Ernte gedankt und um eine gute Ernte im folgenden Jahr gebeten werden. Der Sylvesterabend wird mit einem großen Festmahl begangen und man beschenkt sich gegenseitig. Die Kinder ziehen von einer Haustür zur anderen und wünschen den Freunden und Verwandten Glück. Dazu benutzen sie einen Survachka, einen kleinen verzierten Stock, mit dem sie die Leute berühren. Zum Dank erhalten die Kinder Süßigkeiten oder Kleingeld.
Anfang März schenken sich die Bulgaren so genannte
Martenitsa, Stickbilder aus rotem und weißem Garn, die Glück und
Freude symbolisieren sollen. Die Martenitsa werden an die Kleidung gesteckt,
bis der Träger die erste Schwalbe des Jahres erblickt. Dann hängt
man seine Martenitsa an den Ast eines Baumes oder versteckt sie unter einem
Stein, um den Frühling zu begrüßen und um ein Zeichen der Hoffnung
auf die Vertreibung der bösen Geister zu setzen.
Essen und Trinken:
Als Speisen sind Schweine- und Lammfleisch sehr beliebt. Daneben bestimmen Milchprodukte
wie Joghurt und Käse den täglichen Speiseplan. Als Hauptgerichte sind
Moussaka (ein Gericht aus Hackfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Jogurt) und
Nadenitsa (gefüllte Schweinswurst) sehr beliebt. Kufteta ist eine mit Paniermehl
gemischte Pastete aus gebratenem Fleisch. Sarmi sind mit Reis und Schweinefleisch
gefüllte Wein- oder Kohlblätter. Gegrilltes Fleisch (Skara) wie Shishcheta
(Lammspieß) wird vor allem in Restaurants gerne gegessen. Shopska ist
ein Salat mit bulgarischem Käse (dem so genannten Cerene), Gurken und Tomaten.
Tarator ist eine Kaltspeise aus Gurken, Joghurt, Knoblauch, Dill, Walnüssen
und Öl. Zum Frühstück oder als Zwischenmahlzeit gibt es Käse-Banitsa
(ein Blätterteiggebäck). Beliebte Nachspeisen sind Kürbis-Banitsa,
Kuchen und Baklava, eine dünnes, blätterteigartiges Gebäck mit
Sirup-Nuss-Füllung. Kaffee wird als Espresso oder als türkischer Mokka
zubereitet.
Zum Frühstück gibt es meist Kaffee, Gebäck mit Käsefüllung,
Toast oder Brötchen. Die wichtigste Mahlzeit des Tages ist das Mittagessen.
Es setzt sich aus einer Suppe, Salat, Hauptgang und Nachtisch zusammen. Allerdings
ziehen es viele Bulgaren vor, ein leichtes Mittagessen zu sich zu nehmen und
am Abend, nach 19 Uhr, ausgedehnter zu speisen.
Verkehr und
Kommunikation:
Das öffentliche Verkehrssystem umfasst Busse, Straßenbahnen, Trolleybusse
und Züge. Viele Familien besitzen einen Pkw, der aber nur für besondere
Anlässe benutzt wird, weil die Preise für Treibstoff sehr hoch sind.
In Städten gibt es viele Taxis.
Die Presselandschaft wird vielfältiger und auch die Fernsehsendungen passen
sich mehr und mehr dem europäischen und amerikanischen Vorbild an. Das
Telefonnetz erfordert jedoch eine Erweiterung und Sanierung.
Topographie:
Über die Hälfte des Gebiets von Bulgarien ist hügelig oder gebirgig.
Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa 480 m. Der Balkan durchzieht
das Land vom Nordwesten bis zum Schwarzen Meer und bildet die Wasserscheide
zwischen der Donau und dem Ägäischen Meer. Die Nordhänge des
Balkans gehen nach und nach in das nördliche bulgarische Plateau über,
das sich zum Donautal senkt. Südlich des Balkans folgen Beckenlandschaften,
wie z. B. das Becken von Sofia und die Maritzaebene. Im Südteil des Landes
befinden sich die ausgedehnten Rhodopen, die die Grenze zu Griechenland bilden.
Am Westende dieses Gebirges im südwestlichen Bulgarien erstreckt sich das
Rilagebirge mit dem höchsten Berg Bulgariens, dem Mussala (2 925 m). Für
die Entwässerung Bulgariens ist vor allem die Donau wichtig. Zu den bulgarischen
Nebenflüssen der Donau gehören der Iskâr mit einer Länge
von 368 km und der Jantra mit einer Länge von 290 km. Weitere bedeutende
Flüsse sind der Luda Kamcija (180 km), der ins Schwarze Meer mündet,
und im Südwesten der Struma und der Nestos, die beide in
südlicher Richtung verlaufen und ins Ägäische Meer münden.
Klima:
Im größten Teil von Bulgarien herrscht ein kontinentales Klima mit
kalten Wintern und heißen, trockenen Sommern. Die durchschnittliche jährliche
Temperaturschwankung ist größer als die der Nachbarländer, da
ozeanische Einflüsse aufgrund der Gebirge kaum zum Tragen kommen. Große
Dürre, starke Fröste, Winde und Hagel schädigen häufig die
Ernte. Im Strumatal der südwestlichen Rhodopen herrscht Mittelmeerklima
mit trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern vor; vor sibirischen Kaltlufteinbrüchen,
denen Nordbulgarien im Winter ausgesetzt ist, wird Süd- und Südwestbulgarien
durch den Balkan geschützt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt
etwa 13 °C. Pro Jahr fallen durchschnittlich 630 mm Niederschlag. Im Nordosten
wird ein Minimum von 190 mm und im Rilagebirge ein Maximum von 1 900 mm erreicht.
Im größten Teil des Landes ist der Frühsommer die feuchteste
Zeit, in den vom Mittelmeerklima beeinflussten Tälern im Süden jedoch
Herbst und Winter.
Umweltsituation:
Hauptverursacher der Umweltverschmutzung in Bulgarien ist die Industrie. Da
die Industriezentren ihre Chemieabfälle, Schwermetalle, Nitrate, Ölrückstände
und Abwässer ungeklärt in Gewässer einleiten, sind praktisch
alle großen Flüsse in ihrem mittleren oder unteren Lauf verschmutzt.
Aufbereitungsanlagen für Industrie- oder Haushaltsabwässer sind unzureichend
oder nicht vorhanden. Zwei der größten Industriestädte, Varna
und Burgas, liegen direkt an der Küste des Schwarzen Meeres. Die durch
sie verursachte Wasserverschmutzung ist so hoch, dass dies nun auch die ansässige
Tourismusindustrie zu spüren bekommt. Darüber hinaus haben verantwortungslose
Praktiken im Bergbau und in anderen Bereichen zu einer starken Verschmutzung
des Bodens geführt. Ein weiteres Problem stellt die Luftverschmutzung dar,
die durch Kraftfahrzeug- und Industrieabgase verursacht wird. Sie ist zum Großteil
für den Sauren Regen verantwortlich, der bereits weite Teile des Baumbestandes
Bulgariens geschädigt hat.
Während der frühen neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts erhielt Bulgarien
für die Verbesserung des Umweltschutzes und der Sicherheit der Atomkraftwerke
finanzielle Hilfe von der Europäischen Gemeinschaft (heute die Europäische
Union). Die Regierung hat mehrere internationale Umweltabkommen ratifiziert,
die u. a. den Schutz der natürlichen Artenvielfalt, der bedrohten Arten,
der Meere, der Ozonschicht und von Feuchtgebieten vorsehen sowie Probleme wie
Luftverschmutzung, Umwelt- und Klimaveränderungen, Sondermüll und
die Verschmutzung durch Schiffsverkehr zum Inhalt haben. Darüber hinaus
hat das Land das Abkommen zum Verbot von Atomtests, den Antarktisvertrag sowie
das Umweltschutzprotokoll zum Antarktisvertrag unterzeichnet.